Category Archives: Weltbühne

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Der bewachte Kriegsschauplatz

Im nächsten letzten Krieg wird das ja anders sein… Aber der vorige Kriegsschauplatz war polizeilich abgesperrt, das vergißt man so häufig. Nämlich: Hinter dem Gewirr der Ackergräben, in denen die Arbeiter und Angestellten sich abschossen, während ihre Chefs daran gut verdienten, stand und ritt ununterbrochen, auf allen Kriegsschauplätzen, eine Kette von Feldgendarmen. Sehr beliebt sind die […]

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Der Mensch

Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenns ihm gut geht, und eine, wenns ihm schlecht geht – Die letztere heißt Religion. Der Mensch ist ein Wirbeltier und hat eine unsterbliche Seele, sowie auch ein Vaterland, damit er nicht zu übermütig wird.Der Mensch wird auf natürlichem Wege hergestellt, doch empfindet er dies als […]

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Es gibt keinen Neuschnee

Wenn du aufwärts gehst und dich hochaufatmend umsiehst, was du doch für ein Kerl bist, der solche Höhen erklimmen kann, du, ganz allein -: dann entdeckst du immer Spuren im Schnee. Es ist schon einer vor dir dagewesen. Glaube an Gott. Verzweifle an ihm. Verwirf alle Philosophie. Laß dir vom Arzt einen Magenkrebs ansagen und […]

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Der Primus

In einer französischen Versammlung neulich in Paris, wo es übrigens sehr deutschfreundlich herging, hat einer der Redner einen ganz entzückenden Satz gesagt, den ich mir gemerkt habe. Er sprach von dem Typus des Deutschen, analysierte ihn nicht ungeschickt und sagte dann, so ganz nebenbei: »Der Deutsche gleicht unserm Primus in der Klasse.« Wenn es mir […]

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Zur soziologischen Psychologie der Löcher

Ein Loch ist da, wo etwas nicht ist. Das Loch ist ein ewiger Kompagnon des Nicht-Lochs: Loch allein kommt nicht vor, so leid es mir tut. Wäre überall etwas, dann gäbe es kein Loch, aber auch keine Philosophie und erst recht keine Religion, als welche aus dem Loch kommt. Die Maus könnte nicht leben ohne […]

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Blick in ferne Zukunft

„.. Und wenn alles vorüber ist -; wenn sich das alles totgelaufen hat: der Hordenwahnsinn, die Wonne, in Massen aufzutreten, in Massen zu brüllen und in Gruppen Fahnen zu schwenken, wenn diese Zeitkrankheit vergangen ist, die die niedrigen Eigenschaften des Menschen zu guten umlügt; wenn die Leute zwar nicht klüger, aber müde geworden sind; wenn […]

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Ein älterer, aber leicht besoffener Herr

Wie Sie mich hier sehn, bin ick nämlich aust Fensta jefalln. Wir wohn Hochpachterr, da kann sowat vorkomm. Es ist wejn den Jleichjewicht. Bleihm Se ruhich stehn, lieber Herr, ick tu Sie nischt – wenn Se mir wolln mah aufhehm… so… hopla… na, nu jeht et ja schon. Ick wees jahnich, wat mir is: ick […]

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Bettschnüffler

Grzesinski ist gefallen, weil es Herr Grützner mit der Sittlichkeit hatte. Die SPD hat sich ausnahmsweise einmal zu einem entscheidenden Schritt aufgeschwungen und will den Denunzianten wegen ehrlosen Verhaltens aus ihren Reihen ausstoßen, was hoffentlich geschehen wird. Aber Herr Grützner ist nicht allein. Was ist vorgegangen –? Der Minister war verheiratet und darf sich beim […]

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Die Schule

Wer die Schule hat, der hat das Land! Aber wer hat die bei uns in der Hand! Du hörst schon von weitem die Schüler schnarchen, Da sitzen noch immer die alten Scholarchen, die alten Pauker mit blinden Brillen, sie bändigen und töten den Schülerwillen. Und lesen noch immer die alte Fibel und lehren noch immer […]

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Befürchtung

Werde ich sterben können -? Manchmal fürchte ich, ich werde es nicht können. Da denke ich so: wie wirst du dich dabei aufführen? Ah, nicht die Haltung – nicht das an der Mauer, der Ruf „Es lebe…“ nun irgend etwas, während man selber stirbt; nicht die Minute vor dem Gasangriff, die Hosen voller Mut und […]

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Gruß nach vorn

Lieber Leser 1985- ! Durch irgendeinen Zufall kramst du in der Bibliothek, findest die „Mona Lisa“, stutzt und liest. Guten Tag. Ich bin sehr befangen: du hast einen Anzug an, dessen Mode von meinem damaligen sehr absticht, auch dein Gehirn trägst du ganz anders… Ich setze dreimal an: jedesmal mit einem andern Thema, man muß […]

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Frauen von Freunden

Frauen von Freunden zerstören die Freundschaft. Schüchtern erst besetzen sie einen Teil des Freundes, nisten sich in ihm ein, warten, beobachten, und nehmen scheinbar teil am Freundesbund. Dies Stück des Freundes hat uns nie gehört – wir merken nichts. Aber bald ändert sich das: Sie nehmen einen Hausflügel nach dem andern, dringen tiefer ein, haben […]

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Herr Wendriner erzieht seine Kinder

». – . Nehm‘ Sie auch noch ’n Pilsner? ja? Ober! Ober, Himmelherrgottdonnerwetter, ich rufe hier nu schon ’ne halbe Stunde nu kommen Se doch ma endlich her! Also zwei Pilsner! Was willst du? Kuchen? Du hast genug Kuchen. Also zwei Pilsner. Oder lieber vielleicht – na, is schon gut. Junge, sei doch mal endlich […]

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Affenkäfig

In Berlins Zoologischem Garten ist eine Affenhorde aus Abessinien eingesperrt, und vor ihr blamiert sich das Publikum täglich von neun bis sechs Uhr. Hamadryas Hamadryas L. sitzt still im Käfig und muß glauben, dass die Menschen eine kindische und etwas schwachsinnige Gesellschaft sind. Weil es Affen der alten Welt sind, haben sie Gesäßschwielen und Backentaschen. […]

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Brief an den Staatsanwalt

Hierdurch tue ich Dir kund und zu wissen, dass ich am neunundzwanzigsten Februar dieses Jahres gegen den § 184 (Verbreitung unzüchtiger Schriften) ein bißchen habe verstoßen helfen. Ich habe mir nämlich in der Buchhandlung Hujahn in der Rügenwalder Straße 29 ein großes Buch mit durchaus unerlaubten Bildern gekauft. Das Buch ist zweihundertvierundsiebzig Seiten stark, gutes […]

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