Kurt Tucholsky Zitate

Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!

Erst habe ich gemerkt, wie das Leben ist. Und dann habe ich verstanden, warum es so ist, und dann habe ich begriffen, warum es nicht anders sein kann. Und doch möchte ich, daß es anders wird.

Erfahrung heißt gar nichts. Man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht machen.

Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist: er will die Welt gut haben, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen das Schlechte an.

Das ärgerliche am Ärger ist, dass man sich schadet, ohne anderen zu nützen.

Das Christentum ist eine gewaltige Macht. Dass zum Beispiel protestantische Missionare aus Asien unbekehrt wieder nach Hause kommen – das ist eine große Leistung.

Der eigene Hund macht keinen Lärm – er bellt nur.

Der geschickte Journalist hat eine Waffe: das Totschweigen – und von dieser Waffe macht er oft genug Gebrauch.

Der Leser hat’s gut: Er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.

Der Mensch hat neben dem Trieb der Fortpflanzung und dem zu essen und zu trinken zwei Leidenschaften: Krach zu machen und nicht zuzuhören.

Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenn’s ihm gut geht und eine, wenn’s ihm schlecht geht. Die letzte heißt Religion.

Der Sozialismus wird erst siegen, wenn es ihn nicht mehr gibt.

Deutschlands Schicksal: Vor dem Schalter zu stehen. Deutschlands Ideal: Hinter dem Schalter zu sitzen.

Dick sein ist keine physiologische Eigenschaft – das ist eine Weltanschauung.

Die Basis einer gesunden Ordnung ist ein großer Papierkorb.

Die Katholiken sitzen vor ihrer Hütte. Ein Heide geht vorbei und pfeift sich eins. Die Katholiken tuscheln: ‚Der wird sich schön wundern, wenn er stirbt!‘ Sie klopfen sich auf den Bauch ihrer Frömmigkeit, denn sie haben einen Fahrschein, der Heide aber hat keinen, und er weiß es nicht einmal. Wie hochmütig kann Demut sein!

Du brauchst nur zu lieben und alles ist Freude.

Dumme und Gescheite unterscheiden sich dadurch, dass der Dumme immer dieselben Fehler macht und der Gescheite immer neue.

Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.

Erfahrungen vererben sich nicht – jeder muss sie allein machen.

Es gibt Leute, die wollen lieber einen Stehplatz in der ersten Klasse als einen Sitzplatz in der dritten.

Es gibt vielerlei Lärm. Aber es gibt nur eine Stille.

Es ist schön, mit jemand schweigen zu können.

Ich mag mich nicht gern mit der Kirche auseinandersetzen; es hat ja keinen Sinn, mit einer Anschauungsweise zu diskutieren, die sich strafrechtlich hat schützen lassen.

Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht.

Ist dir noch nicht aufgefallen, wie viel Frechheit durch Unsicherheit zu erklären ist?

Jubel über militärische Schauspiele ist eine Reklame für den nächsten Krieg.

Kaufen, was einem die Kartelle vorwerfen; lesen, was einem die Zensoren erlauben; glauben, was einem die Kirche und Partei gebieten. Beinkleider werden zur Zeit mittelweit getragen. Freiheit gar nicht.

Man fällt nicht über seine Fehler. Man fällt immer über seine Feinde, die diese Fehler ausnutzen.

Menschen miteinander gibt es nicht. Es gibt nur Menschen, die herrschen, und solche, die beherrscht werden.

Nähme man den Zeitungen den Fettdruck weg, um wie viel stiller wäre es auf der Welt.

Trudle durch die Welt. Sie ist so schön, gib dich ihr hin, und sie wird sich dir geben.

Überschrift eines demokratischen Leitartikels: Jein!

Um populär zu werden, kann man seine eigene Meinung behalten. Um populär zu bleiben, weniger.

Volkswirtschaft ist der Zeitpunkt, an dem die Leute anfangen, darüber nachzudenken, warum sie so wenig Geld haben.

Was die Kirche nicht verbieten kann, das segnet sie.

Was nicht griffbereit ist, was man nicht nachts um zwei Uhr finden kann, das besitzt man nicht.

Wenn ein Mensch ein Loch sieht, hat er das Bestreben, es auszufüllen. Dabei fällt er meistens hinein.Wenn wir einmal nicht grausam sind, dann glauben wir gleich, wir seien gut.

Wer in einem blühenden Frauenkörper das Skelett zu sehen vermag, ist ein Philosoph.

14 Kommentare:

  1. Coralle sagt:

    Die Zitatensammlung ist sehr schön aber auch fehlerhaft, denn es muss heißen:

    Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und LAUT zu sagen: Nein!

    Es fehlte das Wort laut. So macht das Zitat erst wirklich Sinn. NEIN kann man auch flüstern, man soll es aber für jeden hörbar machen, sich nicht verstecken.

  2. Mee-Hu sagt:

    Nummer 40 :
    Der Vorteil der Klugheit besteht darin dass man sich dumm stellen kann, das Gegenteil ist schon schwieriger 🙂

  3. Otto Werner sagt:

    Ich suche eine Geschichte um eine Frau mit einem LANDRAT. Wo kann ich die finden?

    M.f.G. O.W.

  4. Dr.h.c. Günter Schullenberg sagt:

    Die Themen von Kurt Tucholsky decken alle Themen von Kindheit, der ersten Liebe, Beruf, Alter und Endlichkeit ab; es gibt keinen Kabarettisten der nicht bei ihm „geklaut“ hat.Ich bin froh von ihm schon früh was gelesen zu haben; zudem auch 1975 seine Frau Mary Gerold-Tucholksy in Rottach-Egern mal besucht zu haben, wo sie unter e. schönen Grabstein m.e. Spruch ihres Mannes („Hat nur ein mal im Leben geliebt“ Kurt Tucholsky)begraben liegt.Vor Jahren zudem zufälig seine einzige noch lebende Großcousine, Brigitte Rothert Jg.1928, in Berlin besuchen zu können, die jetzt in Dresden wohnt.

  5. Ronald Zeuch sagt:

    Ich sage mal einen Dank an meine Lehrer Sie können nicht so falsch gewesen sein.

  6. Karl-Heinz Schwenk sagt:

    wie fehlt uns einer wie er in dieser Zeit mit seiner klaren Analyse und seiner pointierten Sprache.

    Aber vielleicht würde er einmal mehr an dieser Welt mit ihrer Gewalt und Dummheit verzweifeln.

  7. Michael sagt:

    „Wenn ein Mensch ein Loch sieht, hat er das Bestreben, es auszufüllen. Dabei fällt er meistens hinein.Wenn wir einmal nicht grausam sind, dann glauben wir gleich, wir sei(n)en gut.“

    KöNNte jemaNd mal das N da herausNehmeN?

    DaNke.

  8. Dr. Derd Mathwig sagt:

    Stammt nicht der Ausspruch:
    „Deutschland mir graut vor dir!“

    von Kurt Tucholsky?

    Danke für die Antwort.

  9. Ingrid Zwerenz sagt:

    Viel Arbeit steckt in Ihrer Präsentation, die haben mein 2015 verstorbener Mann Gerhard Zwerenz und ich – Ingrid Zwerenz – auch aufgewendet für den unschätzbaren Autor Kurt Tucholsky. Es mag sein. dass ich bei Ihnen einen Hinweis auf 2 Bücher zum Thema übersehen habe: Gerhard Zwerenz „Kurt Tucholsky – Biographie eines guten Deutschen“ Bertelsmann 1979 – auch als Tashenbuch erschienen sowie Gerhard Zwerenz „Gute Witwen weinen nicht“ Fakten und Dokumente über die letzten Jahre Tucholskys im schwedischen Exil.Erschienen im Kranichsteiner Literaturverlag – Inhaberin Kathrin Hampf, Darmstadt.
    Der von Ihnen erwähnte und leider viel zu früh verstorbene Michael Hepp schätzte beide Bücher sehr und besuchte Gerhard Zwerenz und mich in unserem Haus (Hochtaunus), weil er Fotos und Papiere einsehen wollte, die mein Mann von seiner Reise nach Hindas und dem Gespräch mit Gertrude Meyer mit nach Deutschland gebracht hatte.
    Freundliche Grüße – Ingrid Zwerenz

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